Gelegentlich wird ja in der Presse darüber diskutiert, dass Ärzte insgesamt zu wenig arbeiten. Zumindest wird dies von den Krankenkassen immer wieder behauptet, manchmal sogar mit Honorarkürzungen gedroht.

Ich möchte Ihnen gerne einen Einblick geben, was so hinter den Kulissen geschieht, also in der Zeit, in der die Praxis nicht geöffnet ist.

Sie haben vielleicht schon bemerkt, dass wir unsere Praxis gegen 7.45 Uhr und nachmittags um 14.30 Uhr öffnen. Sicher gibt es gelegentlich Klagen darüber, dass wir nicht vorher öffnen, insbesondere, wenn von außen Licht in der Praxis zu sehen ist, wir also offensichtlich schon anwesend sind. Jedoch gibt es hierfür gute Gründe: Der Verwaltungsaufwand einer Arztpraxis ist inzwischen aufgrund zahlreicher bürokratischer Auflagen derart groß, dass ungefähr 60% unserer Arbeitszeit aus reiner Bürotätigkeit besteht. Jeder aber, der in einem Büro arbeitet, wird nachvollziehen können, dass solche Tätigkeiten am besten zu erledigen sind, wenn man dabei ungestört arbeiten kann. Wir brauchen diese Zeit einfach, um all die Dinge zu erledigen, die während der Sprechstunde nicht möglich sind.
Aus diesem Grund ist die Praxis auch mittwochs nachmittags sowie ab Dezember 2016 auch freitags nachmittags geschlossen - zumeist liegen dann Fortbildungen, Hausbesuche oder Verwaltungsarbeiten an.

- Anfragen von Krankenkassen schriftlich beantworten
- Anfragen von Versicherungen und Versorgungsämtern (z. B. zu Schwerbehindertenangelegenheiten) schriftlich beantworten
- interne Fortbildungen durchführen
- interne Qualitätssicherung, kontinuierliches Verbessern der Abläufe, Erarbeiten von Standards zu Diagnostik und Therapie - damit keine Fehler passieren. Mindestens einmal alle vier Wochen findet eine Teamsitzung mit allen Mitarbeitern hierzu statt.
- Bestandskontrolle der vorrätigen Artikel (Medikamente, Verbandsstoffe), Fehlendes und nur noch wenig Vorhandenes wird neu bestellt, abgelaufene Medikamente werden durch neue ersetzt, Geräte werden auf Funktionsfähigkeit geprüft oder extern gewartet
- Hygienemaßnahmen, Desinfektionen, Reinigung
- Abarbeiten schriftlicher Anfragen und Briefe per Telefon, Post, Fax oder E-Mail
- Gespräche mit Fremdpraxen und Krankenhäusern sowie dem kooperierenden Labor, Beschaffen von medizinischen Befunden und Arztbriefen, Sichten der Befunde, Rückruf von Patienten im Falle wichtiger neuer Befunde
- Komplette Datensicherung auf externen Datenträgern (täglich)
- Einscannen von Arztbriefen in unser Computersystem, Entsorgen überflüssigen Papiers mit sensiblen Daten durch Aktenvernichtung (Schreddern)
- Vorbereiten von Untersuchungen gemäß Terminkalender (wir freuen uns immer sehr, wenn Termine im Falle von Versäumnissen rechtzeitig abgesagt werden, sonst war unsere Arbeit umsonst - und hat Kosten verursacht)

All dies nimmt - für das gesamte Team - leider mehr Zeit in Anspruch, als uns lieb ist, und vor allem: All diese Tätigkeiten bringen uns nahezu keinerlei Einkünfte, sind aber trotzdem immens wichtig, um die von uns selbst geforderte und von Ihnen zu Recht erwartete Qualität in der medizinischen Diagnostik und Therapie gewährleisten zu können.

Für uns Ärzte herrscht eine Fortbildungspflicht; manche Fortbildungen bringen sogenannte "cme-Punkte" ein, welche regelmäßig nachgewiesen werden müssen - ansonsten drohen massive Honorarkürzungen bis hin zum Verlust der Zulassung.

Patienten in Pflegeheimen werden regelhaft, manchmal (in dringenden Notfällen) auch außerplanmäßig nachts oder am Wochenende, visitiert.

Überdies ist der Arzt zur Teilnahme am medizinischen Notdienst verpflichtet (seit Juli 2015 zentral organisiert und zugeteilt).

Die Wochenarbeitszeit eines engagierten Hausarztes liegt unter Berücksichtigung all dieser „unsichtbaren“ Zusatzaufgaben zumeist oberhalb von 60 Stunden - unvorhersehbare Inanspruchnahmen in Notfällen nicht mit eingerechnet.

All dies wäre übrigens ohne die herausragende Arbeit meiner Angestellten kaum zu bewerkstelligen. Ich bin sehr dankbar, dass ich solch gutes, erfahrenes und stets freundliches Personal habe, welches mich sehr umfassend, geduldig und kompetent bei meiner Tätigkeit unterstützt. DANKE dafür - jeden Tag aufs Neue!
Das Kreuz mit dem Kreuzchen: Weshalb heisst Ihr Medikament oft anders, weshalb bekommen Sie nicht mehr „Ihre“ Packung wie bislang?

Nun, dazu ist Ihr Arzt verpflichtet, sonst macht er sich haftbar. Er verschreibt einen Wirkstoff, kein Präparat irgendeines bestimmten Herstellers. Dazu ist er im übrigen auch bei Privatpatienten verpflichtet, auch wenn viele das anders sehen. Zwar übernehmen die meisten Privatversicherer noch klaglos solche Kosten, es mehren sich aber rapide die Versicherer, die eben nicht mehr alles bezahlen, oder eine besondere Begründung dafür haben wollen, warum ein so teures Medikament verschrieben wurde. Und manche Medikamente bezahlt auch die Privatversicherung schon nicht mehr.

Wenn es gleich wirksame Pillen in unterschiedlichen Preisklassen gibt, muss der Arzt das preiswerteste verschreiben. Je nach Anbieter kann dieses völlig anders heißen und aussehen. In Deutschland ist gut validiert, dass dieses dann günstigere, vielleicht auch anderslautende Medikament sich in seiner Wirkung nicht vom teuren „Original“ unterscheidet, da der chemische Wirkstoff identisch ist. Der Arzt darf nur dann teure Medikamente verschreiben, wenn es kein preiswertes mit gleich guter Wirkung gibt. Und wenn er auf Ihren Wunsch teurere Medikamente verschreibt, müssen Sie diese selbst bezahlen.
Wir bitten um Verständnis, dass zum Schutz Ihrer Daten keine patientengebundenen Informationen über Email beantwortet werden können und möchten Sie bitten, keine persönlichen Anliegen via Email zu formulieren.

Sie benötigen ein neues Rezept oder haben eine Rückfrage zu Ihrer Behandlung? Dann stehen wir Ihnen gerne sowohl telefonisch als auch persönlich zur Verfügung:

Hausarztpraxis Dr.med. Balkau
Große Straße 9
49134 Wallenhorst
Tel.: 05407 – 9006
Mittlerweile häufen sich Pseudodiagnosen, untaugliche Tests und fragwürdige Empfehlungen. Diese sind für den Patienten nicht nur teuer, sondern schüren Ängste und verzögern manchmal die korrekte Diagnosestellung und Therapie. Es gibt keine "Schulmedizin" und "Alternativ- oder Komplementärmedizin" nebeneinander. Es gibt nur wissenschaftlich gesicherte Medizin (sogenannte evidenzbasierte Medizin). Eine Ente und eine Gummiente sind auch nicht beides Tiere...

Internet-Selbstdiagnosen und „Diagnosen“ durch Heilpraktiker führen zu oft unnötigen Sorgen. Umstrittene, teils widerlegte Begrifflichkeiten wie „Histamin-Intoleranz“, mögliche Folgezustände einer Borreliose oder vermeintliche Schwermetallvergiftungen gesellen sich zu modischen Unverträglichkeiten oder angeblichen Allergien. Obskure und teils unsinnige Verfahren ohne jeden Nutzen wie Bioresonanz, Elektroakupunktur oder Kinesiologie boomen. Laboruntersuchungen auf irgendwelche exotischen Stoffwechselstörungen (zumeist daran zu erkennen, dass sie teuer sind) sind in den allermeisten Fällen nicht zielführend. „Behandlungen“ mit homöopathischen Kügelchen, fernöstlichen Rezeptideen, mittels Osteopathie, durch „Ausleiten“ oder „Eigenbluttherapie“ sowie viele andere Außenseitermethoden werden immer beliebter. Viele Anbieter dieser Methoden nennen ihre Wirkungsstätte sogar „Praxis“ und geben sich den Anstrich, „sanft heilen“ zu können. Einen Trumpf halten diese Leute in der Hand: Zeit. Und jene Zeit zur Zuwendung wird gern mit Therapieerfolg verwechselt. Wenn eine virusbedingte Bronchitis, die mit und ohne Arzt eben sieben Tage dauert, am vierten Tag homöopathisch "behandelt" wird, ist sie drei Tage später ausgeheilt. Und ohne die teuren Kügelchen? Auch. Der Mensch neigt aber zu einer Kausalität und führt eine Zustandsbesserung gern auf aktives Handeln zurück. Fallen Sie nicht darauf herein - vertrauen Sie Ihrem Arzt (sofern er nicht ebenfalls dubiose Methoden anbietet)!

Meine Frau und ich sind Mitglieder der GWUP (Vereinigung der Skeptiker). Wir glauben nur an wissenschaftlich fundierte und reproduzierbare Resultate. Wir geben jeden Monat einen kleinen Geldbetrag, um dazu beizutragen, dass das Nebeneinander von gesicherter Heilkunde und Scharlatanerie in Deutschland endlich aufhört. In unseren Augen gehört der Heilpraktikerberuf (ja, das soll tatsächlich ein Beruf sein!) abgeschafft.

Impfgegner behandeln wir in meiner Arztpraxis nur in akuten medizinischen Notfällen, akzeptieren sie jedoch nicht als zu begleitende Patienten.

Gern informieren wir Sie auf Wunsch weiterführend zu dieser Grundhaltung. Medizinischer Sachverstand, Vernunft und herzliche Zuwendung schließen sich nämlich keineswegs aus!
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